Samstag, 31. Dezember 2011

Jahreswechsel

"Sieben Leben möcht ich haben",

ist der Anfang eines Gedichtes des Theologen und Lyrikers Albrecht Goes
das endet:

"Hab ein einzig Leben nur."


Ein Jahr meines einzigen Lebens geht mit dem Silvestertag
heute unwiederbringlich zu Ende.
Erlebtes, Geschehnisse, Stationen fallen mir ein.

Momente großer Freude und tief empfundenen Schmerzes,
Erwartungen, die erfüllt wurden und Enttäuschungen,
die verkraftet werden mussten,
Krankheiten, die erträglich waren und solche,
die gleich einem Urknall mein Leben von einem Tag auf den anderen veränderten.

Menschen kommen mir ins Gedächtnis.
Erfahren durfte ich Augenblicke der Nähe und Freundschaft.
Ich bin dankbar für Wegbegleiter, die ein Stück meines Lebens mitgingen,
auch für die, die den gemeinsamen Weg
nicht mehr teilen wollten oder konnten und ihn verließen.

Mit Freude denke ich an vertraute oder unbekannte Menschen,
die mir im neuen Jahr begegnen und mich begleiten werden,
geborgen in Gottes Güte und Treue, der immer mit uns ist,

uns segnet, behütet und uns Frieden und Heil schenkt.




Sieben Leben

Sieben Leben möcht ich haben:
Eins dem Geiste ganz ergeben,
So dem Zeichen, so der Schrift.
Eins den Wäldern, den Gestirnen
Angelobt, dem großen Schweigen.
Nackt am Meer zu liegen eines,
Jetzt im weißen Schaum der Wellen,
Jetzt im Sand, im Dünengrase.
Eins für Mozart, für die milden,
Für die wilden Spiele eines.
Und für alles Erdenherzleid
Eines ganz, und ich, ich habe -
Sieben Leben möcht ich haben! -
Hab ein einzig Leben nur.

Albrecht Goes
(1908 - 2000)

Euch Allen ein glückliches, von Gott geschenktes neues Jahr.

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