Dienstag, 18. Oktober 2011

Autumn leaves



Mein erster Besuch eines Zen-Klosters inspiriert mich immer noch ...
Ein Mönch informierte mich, dass der Abt selbst mich empfinge. Er führte mich zu einem großen Hof, umgeben von einem Gebäude, das sehr baufällig wirkte. Die einst ansprechende Gartenanlage und die Wege waren mit Unmengen von Laub bedeckt. "Während Sie warten", sagte der Mönch und reichte mir einen Besen, "kehren Sie doch bitte die Blätter im Hof auf."
Ich hatte nichts anderes zu tun, also blickte ich mich in dem riesigen Hof um, den Besen in der Hand, und begann zu fegen. Bis zu seiner Rückkehr hatte ich fünfzehn Meter Weg gekehrt. Die Ordnung, die ich dem sonst ungepflegten Bereich auferlegt hatte, gefiel mir. Zu meiner Überraschung bedauerte ich es, dem Mönch den Besen zurück zu geben und zum Abt zu gehen. Mir schien es, als hätte ich gerade erst begonnen, und ich wollte die Zufriedenheit nicht verlieren, die ich empfunden hatte, während ich den Hof kehrte.
Ich blickte ein letztes Mal zurück auf den Weg, und noch während ich dies tat, wehte eine sanfte Brise ein Blatt darauf, und dann zwei weitere. Meine Arbeit wurde vor meinen Augen zunichte gemacht, doch die Befriedigung, die sie mir vermittelt hatte, gehörte mir, und ich konnte sie behalten.
Ich habe sie immer noch und erinnere mich an sie, wenn ich das Gefühl habe, dass ich zu viele wichtige Dinge zu tun habe.


Entnommen aus: Gary Zukav "Von Seele zu Seele" Botschaften aus dem Herzen, aus dem amerik. Engl. übertragen von Claudia Seele-Nyima, Windpferd Verlag, Aitrang, 2009