Dienstag, 23. September 2014

Dahlienfarben



Ich liebe die Dahlien so sehr.

Sie erinnern mich an meine liebe Oma, in deren Bauerngarten eine Vielzahl von Dahlienstöcken war.
Noch heute sehe ich sie, ein kleines, zartes Fraule, in geblümter Kittelschürze und buntem Kopftuch,
stets Gießkanne oder Gartenschere in der Hand, in einem Meer von Dahlienköpfen. Einfach und zart oder prall gefüllt schaukelten sie im Wind und dazwischen die Oma, immer fleißig.

Gerne und großzügig verschenkte sie die bunte Pracht, an spielende Kinder, die sie nach Hause trugen, um ihrer Mutter eine Freude zu bereiten, an Nachbarn, oder an Leute, die zufällig am Zaun stehenblieben, um die Dahlien zu bewundern, oder nach einer Sorte zu fragen. Oft kam auch in den Spätsommermonaten der Mesnerbub vorbei, um seinen großen Korb Blüte um Blüte zu füllen und zur Kirche zu tragen. Dort fand man die Schönsten in den Vasen vor dem Marienaltar wieder, das war Omas größte Freude und ihr ganzer Stolz.





In tausend BLUMEN steht die Liebesschrift geprägt,
wie ist die ERDE schön,
wenn sie den HIMMEL trägt!

- Friedrich Rückert -



Auch wenn sich in meinem Garten längst nicht so viele Dahlienstauden finden, fehlen dürfen sie in keinem Jahr. Heuer reicht die Farbpalette von zartem, hellen Rosa, über kräftiges Pink und leuchten- dem Burgunderrot bis zu tiefem Dunkelviolett. Ich liebe es, bis in den November hinein, in diesen satten Tönen zu schwelgen und die üppigen Schönheiten im Haus zu verteilen.






Dahlienfarben wird man hingegen in meinem Kleiderschrank kaum antreffen, hie und da vielleicht ein kräftiges Burgunderrot. Aus diesem Grund ist der zarte Halsschmeichler in Baktus-Form auch nicht für mich, sondern ein Geschenk. Gestrickt aus federleichter Wolle, kraus rechts, die Rüsche gleich mit angestrickt, 86 Gramm schwer und 160 cm lang, wärmt er nun den Hals im eleganten schwarzen Blazer an kühlen Herbsttagen.

Bis die Dahlienblüte vorüber ist, wird sicher noch der eine oder andere Rüschenschal entstehen. Für mich vielleicht eher eine rustikalere Variante, gerne in Nebelgrau oder antiquem Blau ...

Rüschenschal aus der Zeitschrift Liebes Land November 2011
Katia Air Lux Farbe Blackberry, Wolle/Viskose Gemisch, Nadeln Nr. 2





Donnerstag, 28. August 2014

Später Sommer

Der AUGUST läutet die letzte Runde ein, seine Tage sind gezählt.




Schwer war sein Gepäck in diesem Jahr, beladen mit vielen Regenschauern und Gewittern sein Reisekoffer, wenn er ihn öffnete sah man nur selten daraus die Sonne spitzeln...
Und wenn ja, dann tauchte sie die Welt in mildes Spätsommerlicht unter dem weiß-blauen Himmel.



Was mag man wohl  in der ehemaligen Bäckerei von 1903 in diesen Tagen vor mehr als hundert Jahren verkauft haben? Eine knusprige Laugenbreze, ein dunkles Roggenbrot? Ganz bestimmt einen Augsburger Zwetschgendatschi! Wie gerne würde ich mir jetzt ein Stück davon unter den strengen Blicken der beiden Jugenstilköpfe links und rechts des hübschen Eckeinganges schmecken lassen.







 Viel zu selten führt mich mein Weg durch die Altstadt, an den zahlreichen Lechkanälen entlang und durch das einfache Handwerkerviertel, hinauf in die Prachtstraße der Stadtmitte mit ihren historischen Bürgerhäusern und den berühmten Prachtbrunnen.

Der Kleinste und Anmutigste der drei von Adrian de Vries geschaffenen Brunnenfiguren ist der Merkur des gleichnamigen Brunnens. Merkur, geflügelter Götterbote mit Drachenstab, zugleich römischer Gott der Kaufleute, Reisenden und Diebe, ihm zu Füßen ein kleiner Amor, der ihm die Flügelsandalen zu lösen oder zu binden scheint. Es bleibt unserer Phantasie überlassen, ob er ihn am Gehen hindern oder aber zum Wegfliegen aufforden will.








Wenn des Sommer Höhe überschritten,
weiße Fäden in den Hecken wehn
schwer bestaubt am Weg die Margeriten
mit gebräunten Stengeln müde stehn,
wird aus Müdigkeite und Todeswille
über allem eine tiefe Stille,
will Natur nach so gedrängtem Leben
nichts mehr tun als ruhn und sich ergeben.

Hermann Hesse


Der August und mit ihm, nimmt der Sommer Abschied. Das Getreide ist geschnitten, die Früchte sind geerntet und die Sonnenblumen neigen würdevoll ihr Haupt. Die Nächte sind schon frisch und am Morgen liegt die Welt da draußen eingehüllt im ersten dicken Herbstnebel. Warten wir ab, was der Herbst uns bringen mag, ein Feuerwerk der Farben in der Natur und sonnig-goldene Tage?

Wordplay "AUGUST" von With Thy Needle and Thread
Originalgarn von The Gentle Art Threads
Permin Leinen lambswool

Das kleine Monatswortspiel, der AUGUST, gestickt mit zwanzig warmen Erdfarben begleitete mich durch diesen Monat. Es hing an vergangenen Sommertagen an Zimmer- und Gartentüre und Jeden der hindurch ging, erfreuten die rostigen Schellen mit ihrem feinen Klang...